Vom Löwen, der nicht schreiben konnte

Projekt Mein Papa liest auch vor! der Stiftung Lesen und der schleswig-holsteinischen Sparkassen gestartet

Torsten Albig, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, inspizierte das im Sitzungsaal extra aufgestellte Bücherregal und stellte fest: „90 Prozent der Bücher kenne ich und habe sie auch schon vorgelesen.“ Und darum geht es: Vorlesen. Mein Papa liest auch vor! heißt das Projekt, das die Stiftung Lesen gemeinsam mit den schleswig-holsteinischen Sparkassen auf den Weg gebracht hat. Es soll mehr Väter dazu bringen, ihren Kindern vorzulesen. Das Projekt holt deshalb die Väter dort ab, wo sie die meiste Zeit des Tages verbringen: am Arbeitsplatz.

Am 2. September 2015 fiel der Startschuss am Sitz des Sparkassen- und Giroverbands für Schleswig-Holstein (SGVSH) in Kiel. Albig, der die Schirmherrschaft für diese Initiative übernommen hat, stellte fest: „Das Wort entscheidet über die Bildungskarriere. Wenn das in der Kindheit misslingt, kann das keine staatliche Institution wieder aufholen.“
Und: Es sei die erste Gelegenheit im Leben des Kindes, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Er selbst habe die Gelegenheit, seinen Kindern vorzulesen, stets gern genutzt und sei oft von der hohen Qualität der Kinderbücher überrascht gewesen. Und: Es habe ihn den Kindern sehr viel näher gebracht.

Auch Reinhard Boll, Präsident des SGVSH, hat gute Erfahrungen mit dem Thema Vorlesen gemacht. „Vorlesen ist ein Stück Zeremonie und auch körperliche Nähe zu den eigenen Kindern. Für Vorleser und Zuhörer ein großer Gewinn.“
Die Sparkassengruppe sei der Gesellschaft gegenüber verpflichtet. Da passe es gut, sich für die Entwicklung der Kinder zu engagieren und dem Analphabetismus vorzubeugen. “Daran dürfte auch jedes Wirtschaftsunternehmen im Land Interesse haben“, so Boll. Und es steigere die Attraktivität der Unternehmen, wenn sie an der Förderung des Nachwuchses bereits in ganz frühen Jahren Interesse zeigten und auch den Vätern ermöglichten, deren Kinder durch das Lesen zu fördern. Das sei auch in Anbetracht des Fachkräftemangels ein logischer Schritt.

Die schleswig-holsteinischen Sparkassen unterstützen das Projekt zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren. Damit haben Unternehmen und Arbeitgeber des Landes die Möglichkeit, kostenfrei  an „Mein Papa liest auch vor“ teilzunehmen. Mitmachen ist denkbar einfach: Jeden Freitag erhalten die Unternehmen von der Stiftung Lesen ein Geschichte, die sich besonders zum Vorlesen eignet. Diese stellen sie ihren Mitarbeitern über das Intranet, als Kopiervorlage oder auch schon in ausgedruckter Form zu Verfügung und zu Hause heißt es dann: Vorlesen!

„Daran ist es bisher meist gescheitert“, weiß Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programme und Projekte der Stiftung Lesen. Die Väter seien spät von der Arbeit nach Hause gekommen und über die geeignete Literatur zum Vorlesen uninformiert gewesen. Denn: Meist lese die Mutter vor. Wenn dann der Vater einmal gefordert sei, wisse er nicht, welche Literatur sinnvoll sei.
„Leseförderung ist sowohl eine politische als auch eine unternehmerische Aufgabe“, so Uehlein. Aktuell würden 14,5 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben. Damit fehle eine wichtige Voraussetzung zur Ausbildungsfähigkeit. „Wir werden daher gemeinsam mit den Sparkassen aktiv die Unternehmen im Lande ansprechen, um Mein Papa liest auch vor! in den kommenden drei Jahren auszubauen“, so die Geschäftsführerin.

Eine Vorleseprobe wurde sogleich gegeben: Eine Gruppe des Kindergartens Domänental in Kronshagen kam in den Genuss, dass ihr vom Ministerpräsidenten des Landes und dem Präsidenten des SGVSH vorgelesen wurde - in wechselnden Rollen: Es gab Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte und der sich in eine hübsche Löwin verliebte. Es funkte erst zwischen den beiden, als der Löwe nicht mehr Affe oder Mistkäfer bitten musste, für ihn die Liebesbriefe zu schreiben.
So sahen schon die ganz Kleinen: Es lohnt sich, Lesen und Schreiben zu lernen.

Falls Sie Fragen haben, weitere Informationen wünschen oder sich anmelden möchten, wenden Sie sich an die Stiftung Lesen, Claudia Roth, Tel. 06131 28890-21 oder meinpapaliestvor@stiftunglesen.de.