Kummer mit den Kids? Elterntelefon kann helfen

Kiel. Sabrina, Rayka, Laura und Sibel hatten es sich im Bus gemütlich gemacht. Die jungen Damen im Alter zwischen 17 und 19 Jahren vom Gymnasium Wellingdorf waren zu der Bustour eingeladen worden. Sie sollten Werbung machen für die Aktion des Kinderschutzbundes: „Kummer mit den Kids?“

In dieser Aktion geht es auch um die Kinder und Jugendlichen, vor allem aber um deren Eltern. Denn manchmal sind auch diese ratlos. Und brauchen Hilfe. Doch an wen sollen sie sich wenden? Die Hemmungen der Eltern, sich im Problemfall anderen Erwachsenen zu offenbaren, sind groß. Zu sehr oprientiere sich die Gesellschaft an der Optimierung, da falle das Zugeben von Fehlern schwer. So äußerte sich Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig, Schirmherr der Elterntelefon-Aktion, am Donnerstagmorgen am Bus an der Haltestelle Lorentzendamm in Kiel, bevor er die Schüler bis zum Hauptbahnhof begleitete.
„Ich spreche aus eigener Erfahrung“, sagte Albig, Vater zweier Kindern im Alter von 16 und 21 Jahren und zum zweiten mal Schirmherr der Aktion. Selten habe es wirklich ehrliche Gespräche mit anderen Erwachsenen über die eigenen Kinder gegeben. „Wir sind eben nicht perfekt - Eltern zu sein lernen wir nicht“, so der Ministerpräsident.
Das Elterntelefon ist ein anonymes und kostenloses Angebot des Vereins Nummer gegen Kummer, der Mitglied im Kinderschutzbund ist und den es seit 2001 gibt.  Unter der Nummer 0800/1110550 können Eltern ihre Sorgen und Fragen loswerden. „Mir wächst alles über den Kopf“, könnte eine der häufigen Klagen sein, der Grund könnte ein schreiendes Kind sein, das nicht zu beruhigen ist. Auch schulische Sorgen mögen eine Rolle spielen, zum Elterntelefon zu greifen. Ein Kind, das keine Hausaufgaben macht oder ständig zu spät nach Hause kommt beispielsweise. Die Gründe dafür könnten vielfältig sein.
Eine halbe Million Flyer zu diesem Thema sind im Auftrag der Landesregierung und des Kinderschutzbundes aufgelegt worden,  unterstützt wird die Aktion  vom  Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein sowie von der Autokraft und der Kroschke Kinderstiftung.
Allein der Sparkassen- und Giroverband ist mit 100.000 Flyern beteiligt. Deren Präsident Reinhard Boll, Vater zweier erwachsener Töchter, lobte die herausragende Aktion, die sehr gut zum Engagement der Sparkassen passe. „Die personifizierte Anonymität des Hilfe-Angebots ist gut“, so Boll, damit lasse sich sonst vorhandene Distanz überwinden.
Diese Meinung vertrat auch Alexander Möller, Geschäftsführer der Autokraft. „Schüler zählen zu unseren Schwerpunkt- Fahrgästen“, so Möller. Doch die Fahrer der Busse würden oft auch die andere Seite der Schüler kennenlernen -  die, von der die Eltern oft nichts erfahren oder über die sie nicht sprechen möchten. „Die Aktion passt gut zu uns“, so Möller, die Autokraft wolle sie mit ihrer Webseite verlinken. Der Bus als Werbeträger für das Elterntelefon sei ein gutes Mittel, die Nummer bis ins Zuhause der Kinder zu tragen.
Eine Aktion, von der auch Irene Johns, Landesvorsitzende des Deutschen Kinderschutzbundes, angetan war. „Unser Ziel ist es, den Flyer an jede Pinnwand in jedem Zuhause zu bringen. „Nichts kann uns so sehr berühren wie unsere Kinder“, so Johns. Das sei Grund genug, auch selbst einmal Hilfe anzunehmen. „Man muss nicht immer alleine klarkommen“, betonte sie.
Für die vier Mädchen und ihre Klassenkameraden im Bus ging es nach der Busfahrt wieder zurück in den Unterricht. Als Dank für ihren Einsatz für die Aktion spendierte ihnen Autokraft-Chef Möller eine Fahrt mit dem Bus „Kilius“ zum Flughafen Hamburg. Denn nach den Ferien geht es von dort auf Klassenfahrt nach Barcelona.
 

Weitere Informationen zur Elterntelefon-Kampagne gibt es unter:

www.kinderschutzbund-sh.de/elterntelefon