Schleswig-Holsteins Tourismus auf Rekordkurs

Sparkassen-Tourismusbarometer verzeichnet ein Übernachtungsplus von 4,1 Prozent – Qualitätsinitiative gefordert

Das Ziel war für 2025 gesetzt: 30 Millionen Übernachtungen, 30 Prozent Wachstum und Platz 3 in der bundesweiten Beliebtheit als Reiseziel. Zwei der Kriterien wurden bereits erfüllt. Im vergangenen Jahr konnten 28 Millionen Übernachtungen gezählt, acht Milliarden Euro umgesetzt werden und Schleswig-Holstein hob sich auf Platz 2 der Länderliste der gefragtesten Destinationen. Das ist das Ergebnis des Tourismusbarometers 2016, das vor wenigen Tagen im Sparkassenveran-staltungszentrum in Kiel vorgestellt wurde. Allein Bayern war noch beliebter, nach Schleswig-Holstein rangiert Sachsen auf Platz 3.

Zur Präsentation der Ergebnisse vor rund 120 Fachleuten hatten der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein und der Tourismusverband des Landes als Auftraggeber der Studie eingeladen. Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer würdigten Sparkassenpräsident Reinhard Boll und der Vorsitzende des  Tourismusverbandes, Landrat Jörn Klimant, das Ergebnis als einen großen Erfolg. „Die Sparkassen des Landes werden die eingeschlagene Strategie weiter unterstützen“, sicherte Reinhard Boll zu. Das Tourismusbarometer sei als Instrument anerkannt, die Ergebnisse repräsentativ, die Unternehmen im Lande könnten daraus ihren Nutzen ziehen und seien wieder gut aufgestellt.  „Das ist eine Win-Win-Situation“, so der Sparkassenchef. So sei beispielsweise die Zahl der Insolvenzen im Tourismusbereich um elf Prozent zurückgegangen. „Eine sehr gute Entwicklung“, erklärte Boll.
Für den Wirtschaftsminister kommt es darauf an, die Qualität weiter zu verbessern. „Modernisierung ist wichtiger als Bettenerhöhung“, so seine Empfehlung. Konkurrenz schlafe nicht, deshalb solle man jetzt verstärkt daran arbeiten. Denn in immer weiter steigender Besucherzahl allein liege nicht der Sinn – mit immer mehr Touristen kämen auf viele Regionen auch Probleme in den Bereichen Infrastruktur, Immobilienpreise und Mieten zu.  „Das müssen wir rechtzeitig erkennen und die Probleme unter Einbeziehung aller Beteiligten lösen“, empfahl auch Dr. Jörn Klimant, Vorsitzender des Tourismusverbandes Schleswig-Holsteins. Ziel sei es, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.
Ein wichtiger Faktor konnte aber nach Meinung Meyers  zusätzlich erfüllt werden: Die Strategie auf Ganzjährigkeit. Diese Strategie sei erfolgreich gewesen, das Wachstum in der Nebensaison besonders hoch gewesen – mit guten Resultaten für die Beschäftigung im Lande. Eine weitere Herausforderung für die nächsten Jahre ist es, Fachkräfte zu finden. Den Bedarf schätzte er auf etwa 100.000 gut ausgebildete Beschäftigte.
Zu weiteren Verbesserungsmöglichkeiten gaben Karsten Heinsohn und Dr. Mathias Feige von der dwif-Consulting Auskunft: Das Binnenland sollte stärker in den Fokus gerückt werden, dort müssten Erlebnisprodukte geschaffen werden. Neuinvestitionen seien wichtig, ohne den Bestand aus den Augen zu verlieren. Der Naturraum könnte besser genutzt (Beherbergung vor Ort), die Freizeitwirtschaft mehr gefördert werden. Und: Eine Qualitätsinitiative müsse her. „Wir dürfen uns nicht ausruhen“, so Dr. Feige, der Tourismus sei ein wesentlicher Faktor der Regionalentwicklung.