Sparkassen setzen auf neue Wege zum Kunden

23.03.2017

Geschäftsergebnisse
zufriedenstellend

Die schleswig-holsteinischen Sparkassen konnten 2016 in allen wichtigen Geschäftsbereichen an das zufriedenstellende Vorjahr anschließen. „Wir haben unsere Position als Marktführer im Bankenmarkt trotz erheblicher Herausforderungen gefestigt und wollen auch in den nächsten Jahren weiter wachsen“, sagte der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, Reinhard Boll, bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes am Donnerstag in Kiel. Dennoch sei nicht zu übersehen, dass sich Belastungen wie die Negativzinsen in den Bilanzen der Sparkassen immer stärker
niederschlagen. Die Sparkassen setzen dem neue Wege zu den Kunden entgegen und verstärken ihre digitale Strategie, erklärte Boll weiter.

Digitale Wege
zu den Kunden
Die zunehmenden Möglichkeiten durch die Digitalisierung sorgen für einen Umbruch im Kundengeschäft der Sparkassen. So ist das Girokonto zwar weiterhin das Ankerprodukt der Kundenverbindung.
Seine Nutzung ist aber immer weniger an eine Filiale gebunden, sondern wird von den digitalen Zugangswegen bestimmt. So greifen inzwischen fast 50 Prozent der Privatkunden über das Internet mittels PC, Tablet oder Smartphone auf ihr Konto zu, bei den Firmenkunden sind es sogar 73,5 Prozent. „Unsere am meisten besuchte Filiale ist die Internetfiliale“, sagte Boll wörtlich. Die Filialen vor Ort würden im Regelfall nur noch für persönliche Beratungsgespräche und Geschäftsabschlüsse aufgesucht.
 
Die Sparkassen reagieren auf diese veränderten Anforderungen durch Anpassungen im Geschäftsstellennetz und einen massiven Ausbau der medialen Zugangswege. Seit dem letzten Jahr führen die Sparkassen die Internetfiliale in der Version 6.0 ein, über die bundesweit zwei Milliarden Kundenkontakte jährlich laufen, 800 Millionen allein über die App. Den neuesten Dienst mit Namen „Kwitt“, mit dem Geld von Handy zu Handy übertragen werden kann, nutzen seit Ende letzten Jahres bereits 310.000 Kunden. Weitere Innovationen wie die Fotoüberweisung, das elektronische Postfach und die Girocard zum kontaktlosen Bezahlen sind Innovationen, die in diesem Jahr den Kunden als neue digitale Services angeboten werden. „Unser Ziel ist es, im Netz und vor Ort der bevorzugte Finanzpartner in Schleswig-Holstein zu sein“, fasst Boll die digitale Vertriebsstrategie der 12 Sparkassen zusammen.
„#SH_WLAN“ für
das ganze Land
 
Zu dieser Strategie gehört auch die möglichst weite Öffnung der Zugangswege. Deshalb haben die Sparkassen mit der Landesregierung kürzlich eine Absichtserklärung geschlossen, das Netz kostenloser öffentlicher WLAN-Zugänge auszubauen. Ziel der Sparkassen ist es, Wegbereiter des WLAN-Ausbaus in Schleswig-Holstein zu sein und die Marke „Sparkasse“ zu positionieren. Das WLAN der Sparkassen „#SH_WLAN“ ergänzt das Angebot des Landes von Internetzugängen an öffentlichen Gebäuden unter dem Namen „DerEchteNorden“.
 
Mittelstand: Motor
des Kreditgeschäfts
 
Mittelstand und Handwerk haben 2016 erneut für einen Zuwachs im Kreditgeschäft der Sparkassen gesorgt. Der Bestand der Ausleihungen nahm um 3,1 Prozent auf fast 18 Mrd. Euro zu. Das Plus bei Privatkunden war mit 1,8 Prozent (11,8 Mrd. Euro) etwas geringer. Insgesamt beliefen sich die Ausleihungen der Sparkassen auf 30,7 Mrd. Euro (+2,7 Prozent). Die Nachfrage nach Wohnungsbaufinanzierungen von Privatkunden war deutlich schwächer als im Vorjahr. Offenbar hat die inzwischen überarbeitete Wohnimmobilienkreditrichtlinie viele Bauherren so verunsichert, dass die Darlehenszusagen um 13 Prozent unter denen des Vorjahres blieben. Erst im 4. Quartal übertraf das Neugeschäft wieder das Ergebnis des Vorjahres. Außerdem haben viele private Investoren die seit Jahren niedrigen Zinsen bereits genutzt und ihre Pläne verwirklicht. Angesichts deutlich gestiegener Bau- und Immobilienpreise dürfte sich der Boom in der privaten Baunachfrage abschwächen, erläuterte Boll. – Der besonderen Bedeutung des Mittelstandes in Schleswig-Holstein tragen die Sparkassen mit dem Mittelstandsforum Rechnung, das in diesem Jahr am 5. September im Audi Max der Kieler Universität stattfindet.
 
Sparer suchen
Sicherheit
Trotz niedrigster Zinsen nahmen die Kundeneinlagen um 800 Mio. Euro auf 26,8 Mrd. Euro erneut zu. „Die Sparer suchen gerade jetzt Sicherheit für ihr Erspartes. Wir freuen uns über diesen Vertrauensbeweis, auch wenn es betriebswirtschaftlich gesehen eine Belastung ist“, sagte Boll. Für 57 Prozent der Deutschen ist Sicherheit der wichtigste Faktor beim Vermögensaufbau – das sind sieben Prozentpunkte mehr als noch 2015, zitierte Boll Untersuchungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Gleichzeitig wollen die Kunden aber flexibel bleiben und deponierten ihre Gelder vornehmlich auf Sichtkonten, die auf 17,2 Mrd. Euro anwuchsen (+ 7,1 Prozent).
 
‚Verwahrentgelte‘
nur in Einzelfällen
 
Außerdem wissen die Kunden, dass die Sparkassen so lange wie möglich auf Negativzinsen verzichten werden. Lediglich bei großen Einlagesummen, insbesondere von Firmenkunden aber auch von institutionellen Anlegern, erheben einige Sparkassen im Land ‚Verwahrentgelte‘. „Im Geschäft mit der überwiegenden Zahl von Privatkunden wollen wir darauf auch weiterhin verzichten“, sagte Boll.
 
Wertpapiergeschäft
im Tal der Zinsen
 
Angesichts der jahrelangen Niedrigzinspolitik der EZB wird es für die Institute immer schwieriger, Kundeneinlagen im Kreditgeschäft oder in Wertpapiere zu investieren. Auch die Anleger sind bei Wertpapieren zurückhaltend. Zwar nahmen erstmals seit zehn Jahren die Depotbestände der Kunden wieder um 159 Mio. Euro zu; gefragt waren Investmentpapiere und Zertifikate. Insgesamt gingen die Wertpapierumsätze aber um 11,9 Prozent auf 2,75 Mrd. Euro zurück.
 
Ertragslage nochmals
leicht verbessert
 
Trotz der wachsenden Belastungen durch die Niedrigzinsen konnten die Sparkassen ihre Ertragslage nochmals leicht verbessern. So sank der Zinsüberschuss um 1,4 Prozent, der Provisionsüberschuss nahm dagegen um 4,3 Prozent zu. Auch die Aufwendungen für die Bewertung von Kreditrisiken gingen nochmals zurück. Dennoch ist es notwendig, Reserven zu bilden, um für mögliche weitere Ertragseinbußen beim Zinsüberschuss gewappnet zu sein. Deshalb erhöhten die Sparkassen nochmals ihre Eigenmittel und verbesserten ihre durchschnittliche Kernkapitalquote von 12,6 auf 13 Prozent. Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg um 20 Mio. Euro auf 143,2 Mio. Euro an. Das Geschäftsvolumen aller 12 Sparkassen belief sich auf 38,4 Mrd. Euro (Vj: 37,5 Mrd. Euro). 1,181 Millionen Schleswig-Holsteiner hatten Ende 2016 ein Konto bei einer Sparkasse.
 
„Sparkassen – Gut für
Schleswig-Holstein“
Vom Schleswig-Holstein Musik Festival bis zum Kinderschutzbund, vom Bürgerpreis bis zu Schulen und Vereinen – das gesellschaftliche Engagement der Sparkassen ist vielfältig und vor Ort erlebbar. Auch 2016 haben die Sparkassen unmittelbar oder über ihre mehr als 50 Stiftungen 18 Mio. Euro für gemeinnützige Zwecke aufgewendet. „Das ist gut für Schleswig-Holstein“, sagte Boll „weil damit in vielen Fällen Projekte verwirklicht werden können, die es sonst nicht gäbe.“
    
Beispiele für das
gesellschaftliche
Engagement
 
Ankommen in Schleswig-Holstein: Die Sparkassen statten Büchereien mit Materialien zum Spracherwerb für Flüchtlinge aus. Die Alphabetisierungskampagne soll die Lesefähigkeit verbessern und das Bewusstsein für die Situation von Analphabeten verbessern.
Die MuseumsCard ermöglicht jungen Leuten jeden Sommer freien Eintritt in über 70 Museen in Schleswig-Holstein und Süddänemark.
Als Partner des Deutschlandstipendiums vergeben die Sparkassen jährlich fünf  Stipendien an begabte Studierende. Das Projekt Schule und Verein fördert zusammen mit Sportvereinen rund 300 ganzjährige Sport-Arbeitsgemeinschaften in Schulen. Die Kinderküche auf Tour wirbt für gesunde Ernährung und kann gebucht werden, um mit Kindern vor Ort gesund zu kochen.
                                              
Optimistischer Ausblick
 
In diesem Jahr stehen die Sparkassen vor zwei Herausforderungen: Einerseits müssen sie die wachsenden Ertragsbelastungen durch die Niedrigzinsphase bewältigen und andererseits müssen die Vertriebswege an die weiteren Veränderungen beim Kundenverhalten und die Digitalisierung angepasst werden. Dafür sind ein weiteres Wachstum im Kreditgeschäft, der Ausbau des Provisionsgeschäfts und eine verursachergerechte Bepreisung von Leistungen unumgänglich. Die ersten beiden Monate dieses Jahres lassen einen optimistischen Ausblick zu. So sind die Darlehenszusagen für Unternehmen und Selbstständige wieder angestiegen. Auch für den weiteren Verlauf des Jahres lassen die Prognosen der Wirtschaftsforscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft „reichlich Schwung“ bei Investitionen, im Exportgeschäft und beim Konsum erwarten.       

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