Farbholzschnitte – Ausstellung von Nikolaus Störtenbecker
03. Mai 2007
Die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein präsentiert in den Räumen der Sparkassenakademie bis zum 6. Juli 2007 insgesamt 43 Farbholzschnitte von Nikolaus Störtenbecker.
Der bekannte Maler und Grafiker, der in der landschaftlich reizvollen Umgebung von Glücksburg lebt und arbeitet, gehört zu den namhaftesten zeitgenössischen Künstlern Norddeutschlands. Wie kaum ein anderer hat er in den letzten vier Jahrzehnten die Kunstszene - weit über Schleswig-Holstein hinaus - geprägt; sei es durch sein vielseitiges Werk, in dem die Grafik - von der Lithografie über die Radierung und den Siebdruck bis hin zum Holzschnitt - eine gleichgewichtige Rolle neben der Malerei einnimmt, sei es als Initiator und Spiritus Rector der zahlreichen Freilicht-Symposien um die seit 1995 bestehende Künstlergruppe der Norddeutschen Realisten.
Nikolaus Störtenbecker hat sich bereits zum Ende seiner Studienzeit an der Hochschule der Bildenden Künste in Hamburg Mitte der 1960er Jahre der gegenständlichen Kunst zugewandt und war 1965 Gründungsmitglied der Gruppe ZEBRA, der er bis 1977 angehörte. Damals wurde in Deutschland an den Hochschulen und in den Kunstszenen heftig über die mutmaßliche Alternative „gegenständliche“ oder „abstrakte“ Kunst diskutiert, doch Nikolaus Störtenbecker ließ sich auf der Suche nach seiner persönlichen künstlerischen Ausdrucksform nicht von den theoretischen Diskussionen beirren. Seine Malerei bleibt konsequent im gegenständlichen Bereich, ist der Wirklichkeit verpflichtet, wobei es dem Künstler stets um weit mehr als um eine die Wirklichkeit lediglich reproduzierende Malweise gegangen ist: Die von ihm gewählten Landschaftsmotive und Stillleben werden durch die Vereinfachung der Formen und Intensivierung der Farben in ihrer künstlerischen Ausdruckskraft gesteigert und atmosphärisch verdichtet. Das gilt insbesondere für die hier in der Ausstellung präsentierten Farbholzschnitte. Diese erscheinen in einer Auflage von höchstens 50 Exemplaren. Dabei wird die Gesamtauflage nicht in einem Zuge gedruckt, sondern stets in mehreren, in der Regel zehn Abzüge umfassenden Durchgängen.
Im Gegensatz zu den im schnellen Zugriff unmittelbar vor dem Motiv geschaffenen Ölbildern bei der Freilichtmalerei entstehen die Mehrfach-Holzschnitte in einem langwierigen, künstlerisch-kompositorisch höchst anspruchsvollen Prozess: Die einzelnen Platten werden so geschnitten und gefärbt, dass sie erst beim Druck der letzten Platte die vollständige Darstellung ergeben. Im Allgemeinen benutzt Nikolaus Störtenbecker bei den Mehrfach-Holzschnitten drei bis vier Platten, druckt aber auch mit bis zu zehn wie bei den Bildern „Stockrose“ und „Schwertlilien“. Für die öligen Blätter verwendet Störtenbecker trockenes Papier, während er für die experimentell auf den Spuren des Japandrucks entstehenden Holzschnitte feuchtes Japanpapier benutzt.
Der Japandruck ist eine Technik, die den Künstlern des Jugendstils und der Neuen Sachlichkeit noch geläufig war, die aber seit der Zeit des Ersten Weltkriegs nicht mehr gelehrt wird. Deshalb eignet sich Nikolaus Störtenbecker seit 2004 das komplizierte künstlerische Verfahren in immer neuen Arbeitsprozessen selbst an. Die Arbeitsschritte sehen folgendermaßen aus: Der Künstler feuchtet vor dem ersten Druckvorgang den Druckstock stark an. Anschließend trägt er die Farbe, die er vorher mit einer Paste aus Reismehl angereichert hat, mit einem Pinsel auf den Druckstock auf. Die Paste verleiht der Farbe Volumen, so dass sie während des Druckvorgangs gleichmäßig von dem Japanpapier aufgenommen wird. Der Druck selbst geschieht mit einer Walze und durch Handabreibung mit einem so genannten „baren“, dem klassischen japanischen Druckwerkzeug, bestehend aus einer spiralförmig aufgerollten Kordel, einer Scheibe als Halterung und einem Bambusblatt als Abdeckung.
In der neuen Ausstellung mit 42 Farbholzschnitten von Nikolaus Störtenbecker treten die experimentell auf den Spuren des Japandrucks gedruckten matt lasierenden Holzschnitte in einen spannenden Dialog mit den ölig gedruckten Blättern.
- Dr. Dörte Beier, Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein
Die Ausstellung der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein ist vom 25. April bis zum 6. Juli 2007 in der Sparkassenakademie Schleswig-Holstein, Faluner Weg 2, 24109 Kiel, werktags von 9.00 – 16.00 Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.
Informationen unter:
www.sparkassenakademie.com und
www.sparkassenstiftungen.de