Der Bratschist David Aaron Carpenter erhielt den Leonard Bernstein Award der Sparkassen-Finanzgruppe Schleswig-Holstein
Die Stunde des Ausnahmekünstlers
„Von allen Instrumenten im Orchester ist die Viola dasjenige, dessen ausgezeichnete Eigenschaften man am längsten verkannt hat“, schrieb der Komponist Hector Berlioz 1864 in seiner „Instrumentationslehre“. Doch auch heute noch steht die Viola, die auch Bratsche genannt wird, meist im Schatten der Violine und des Cellos. Anders am 27. August 2011 in der ausverkauften Musik- und Kongresshalle in Lübeck: Beim Preisträgerkonzert des Leonard Bernstein Awards im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals demonstrierte der 25-jährige Amerikaner David Aaron Carpenter in einer atemberaubenden Interpretation von Béla Bartóks unvollendetem Violakonzert die große Farbenvielfalt dieses Altinstruments. Nach donnerndem Applaus erhielt er aus den Händen von Reinhard Boll, Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes für Schleswig-Holstein, den mit 10.000 Euro dotierten Leonard Bernstein Award der Sparkassen-Finanzgruppe Schleswig-Holstein. Die renommierte Auszeichnung wurde zum zehnten Mal verliehen.
Bereits zwei Stunden vor dem Konzert hatten sich rund 200 Gäste aus Wirtschaft, Kultur und Landespolitik – darunter auch die US-Generalkonsulin Inmi Patterson und der Sohn von Leonard Bernstein, Alexander Bernstein – auf Einladung der Sparkassen-Finanzgruppe zu einem Empfang eingefunden. Es sollte eine feierliche Einstimmung auf einen der letzten Höhepunkte beim diesjährigen Schleswig-Holstein Musik Festival werden.
Diesen intonierte das NDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Christoph Eschenbach in der Musik- und Kongresshalle mit Antonin Dvořáks Konzertouvertüre „Karneval“. Bei Bartóks „Konzert für Viola und Orchester, Sz 120“ zeigte sich, warum die international besetzte Jury des Leonard Bernstein Awards David Aaron Carpenter den zehnten Award zuerkannt hatte. Sein Bratschenspiel war wie ein betörender Gesang, in dem eine ganze Bandbreite von Gefühlen und Stimmungen steckte: tiefe Trauer und Momente der Freude, Melancholie und Euphorie, Rastlosigkeit und innere Ruhe. Mit Esprit und technischer Brillanz nahm Carpenter jede noch so hohe Hürde von Bartóks anspruchsvollem letzten Werk.
Nach der anschließenden feierlichen Preisverleihung durch Reinhard Boll und Festivalintendant Professor Rolf Beck – die auch von Alexander Bernstein begleitet wurde – bedankte sich der sympathische Preisträger mit einer ungewöhnlichen Zugabe: einer Paganini-Variation, in die er viel Schalk und seine ganze Souveränität legte. Das Publikum dankte es ihm mit frenetischem Beifall. Und für die meisten unter den Gästen dürfte Carpenters Vortrag eine Wiederentdeckung mit einem bis dahin möglicherweise auch von ihnen verkannten Instrument gewesen sein.
Der letzte Höhepunkt des Abends war Antonin Dvořáks Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der neuen Welt“, mit der sich das NDR-Sinfonieorchester und Christoph Eschenbach stehende Ovationen verdienten.